
Foto: Edda Rössler
Ardi Goldman kündigt seinen Abschied an und wirkt dabei wie ein Mann, der gerade erst den Motor gestartet hat. Im Gespräch formuliert der Frankfurter Bauherr einen Rückzug, der keiner sein will. Aufhören ja, vielleicht. Aber bitte erst nach dem großen Finale.
Der Gestalter des Frankfurter Ostends, Baumeister und Hüter urbaner Lebensräume, denkt nicht in Abschieden, sondern in Setzungen. Was ihm vorschwebt, ist kein Projekt, sondern ein Ereignis. Ein letztes Monument. Groß, eigensinnig, mit Ansage.
Man könnte sagen, Goldman schwankt zwischen Fontainebleau und The Fountainhead. Zwischen französischer Schlossfantasie und amerikanischem Architektenmythos. Zwischen barocker Geste und radikalem Individualismus. Die Referenz ist kein Zufall. Verfilmt mit Gary Cooper verkörpert die Figur des unbeirrbaren Gestalters genau das, was Goldman offenbar reizt. Ein kreativer Einzelgänger, der sich weder Gremien noch Genehmigungslogiken unterordnet.
Genau hier beginnt der eigentliche Spaß. Denn während Frankfurt gern im Konsens baut, träumt Goldman vom Widerstand. Gegen Bürokratie, gegen Bedenkenträger, gegen jene Architektur, die sich in Excel-Tabellen besser liest als im Stadtraum. Dass ihm Michael Schumacher einst den Roman „Fountainhead“ von Ayn Rand mit einer fast prophetischen Widmung schenkte, passt ins Bild. Früher Ritterschlag, heute Selbstvergewisserung.
Goldman inszeniert sich nicht als Entwickler, sondern als Figur. Als jemand, der Räume behauptet, statt sie zu verwalten. Ich erkenne, worum es ihm geht: Nicht um Quadratmeter, sondern um Haltung.
Und so bleibt am Ende weniger ein Bauplan als eine „Drohung“ an den architektonischen Mainstream. Sollte dieses Monument kommen, wird es kein leises sein. Frankfurt sollte sich darauf einstellen und freuen.
Edda Rössler
