
Foto: Edda Rössler
Mit „Calypso“ hat die Künstlerin Mison Schreff für das Kimpton Main Frankfurt ein fast acht Meter langes Wandbild geschaffen. Zur Eröffnung am 2. September trafen Kunst, Hotellerie und ein wenig Odyssee aufeinander. Noch bis Anfang Dezember kann man das Werk in der Hotel-Lobby bewundern.
In bester Innenstadtlage, in der Junghofstraße 7, lässt sich seit kurzem nicht nur bei Cocktails und erlesenen Teesorten verweilen. Wer die Lobby des Kimpton Main Frankfurt betritt, begegnet nun „Calypso“: einem fast acht Meter langen Werk der koreanisch-deutschen Künstlerin Mison Schreff. Leicht und rätselhaft zieht es sich über die Wand, als hätten sich Farbe und Formen dort nur vorübergehend niedergelassen.
Das passt. Schließlich ist ein Hotel ein Ort des Kommens und Gehens. „Calypso“ verweist auf jene Nymphe der griechischen Mythologie, bei der Odysseus sieben Jahre verbringen musste, selbst für ein Luxushotel eine bemerkenswerte Aufenthaltsdauer. „Für mich hat das sehr gut in den Hotelkontext gepasst, wo Leute hinkommen, reisen und dann wieder gehen“, sagt die 1998 in Südkorea geborene, heute in Berlin lebende Schreff. Ihr Wunsch: „Dass es einen Dialog öffnet, dass Leute sich hier wohlfühlen und in Gedanken reisen können.“
Schreff arbeitet mit Acryl und Airbrush auf Papier. Farbige, biomorphe Gebilde tauchen auf, verschwinden, verdichten sich und lösen sich in helle Partien auf. Mal erinnern sie an Pflanzen, mal an mikroskopische Organismen, dann an fantastische Wesen. Die Leerstellen geben der Komposition ihren Rhythmus, fließende Bewegungen unterlaufen die strenge Geometrie der Architektur. Schreff spricht von „Bewegungsformen, die fließend sind“. Mit Farbe gehe sie bewusst sparsam um: Je weniger davon eingesetzt werde, desto stärker trete die Plastizität hervor.
Dass „Calypso“ in Frankfurt landete, ist auch einer kleinen Familiengeschichte zu verdanken. Galerist Andreas Greulich kam über seinen 22-jährigen Sohn Cornelius auf die Künstlerin. Der Kunstgeschichtsstudent hatte Schreff für eine Ausstellung junger Positionen kuratiert. Daraus entwickelte sich die Zusammenarbeit mit der Galerie und schließlich die Idee für das Kimpton. Ursprünglich sollte eine bestehende Arbeit gezeigt werden. Nachdem Schreff Fotos und Videos der Lobby gesehen hatte, schuf sie eigens für den Raum ein neues Werk.
Für Greulich liegt darin der Reiz: Ein beinahe acht Meter langer Fries müsse „visuell spannend bleiben“, eine Dramaturgie entwickeln, mit Leerstellen arbeiten und sich wieder verdichten. Auch technisch war das Unternehmen anspruchsvoll: Papier hängt sich in dieser Dimension nicht so beiläufig wie eine Leinwand. Befestigt wurde es schließlich mit Magneten.
Nun also Kunst statt bloßer Dekoration. Das passt zum Selbstverständnis des Hauses, dessen Interior Bauhaus-Anklänge mit der Geschichte des ehemaligen Deutsche-Bank-Areals verbindet. „Unsere Lobby ist der erste Moment, in dem Gäste das Kimpton Main Frankfurt erleben“, sagt General Manager Tako Kim Plate. Kunst solle nicht neben dem Hotelerlebnis stehen, sondern Teil davon werden.
Vor allem räumt Plate mit einer Vorstellung auf: Eine Hotellobby gehört keineswegs nur denen, die dort ein Zimmer gebucht haben. Das Kimpton verstehe sich als Teil der Nachbarschaft, mit offenen Türen. Die Lobby solle ein „living room for the people of Frankfurt“ sein, ein Wohnzimmer für die Frankfurter. Man darf also hereinkommen, „Calypso“ betrachten, Tee oder Cocktail bestellen und bleiben, ohne nach einer Zimmernummer gefragt zu werden.
Und einen „Calypso“-Cocktail? Den gibt es bislang nicht. Den vom Kunstwerk inspirierten Cocktail „Berry Garden“ mit Tee, Wodka und Saft allerdings schon.
Text und Foto von Edda Rössler
Veröffentlicht in Frankfurter Neue Presse am 8. September 2026
