Die Galerie Leuenroth feiert ihr Jubiläum mit einer Ausstellung über Zeit, Vertrauen und die Kunst des Dranbleibens

(v.l.) Kirsten Leuenroth mit Beate Höing, Christian Hellmich, Yvette Kießling und Jan Dörre. Viele der Künstler sprechen von einer Zusammenarbeit, die weit über den Verkauf von Kunst hinausgeht und von Vertrauen, Austausch und langjähriger Begleitung geprägt ist.
Wer derzeit die Galerie Leuenroth in der Fahrgasse besucht, begegnet nicht nur Kunst, sondern auch einer selten gewordenen Tugend: Beständigkeit. Unter dem Titel „TWENTY“ feiert Galeristin Kirsten Leuenroth das 20-jährige Bestehen ihrer Galerie mit einer Ausstellung, die ebenso klug wie berührend ist. Jeder der aktuell 20 vertretenen Künstler ist mit zwei Werken präsent: einem aus den Anfangsjahren der Galerie und einem aktuellen. Dazwischen liegen zwei Jahrzehnte gemeinsamer Arbeit, gemeinsamer Erfolge und manchmal auch gemeinsamer Krisen.
Als Leuenroth am 1. April 2006 ihre Galerie eröffnete, war die Kunstwelt eine andere. Die Neue Leipziger Schule sorgte international für Aufsehen, Frankfurt besaß noch deutlich weniger Galerien als heute, und die junge Kunsthistorikerin startete mit einer gehörigen Portion Mut und Begeisterung ihr eigenes Unternehmen. Was als Schwerpunkt auf Leipziger Malerei begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem profilierten Programm für gegenständliche Malerei. Über 100 Künstler hat sie seitdem gezeigt, rund 130 Ausstellungen organisiert.
Doch Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte.
Wer mit den Künstlern spricht, stößt immer wieder auf dieselbe Eigenschaft: Kirsten Leuenroth gilt als außergewöhnliche Vermittlerin. Als jemand, der zuhören kann. Der Künstler nicht verwaltet, sondern begleitet. Nicht wenige der ausgestellten Positionen sind seit fast zwei Jahrzehnten mit ihr verbunden. Isabelle Dutoit, Jan Dörre, Johannes Rochhausen oder Anya Triestram gehören seit den Anfangsjahren zum Programm. In einer Kunstwelt, die oft vom schnellen Wechsel lebt, ist das bemerkenswert. Es spricht für gegenseitiges Vertrauen. Und für eine Galeristin, die langfristig denkt.
Genau dieses Vertrauen wird in „TWENTY“ sichtbar.
Da ist Jan Dörre, dessen kleine Sperlingsstudie von 2006 heute einer komplexen, poetisch aufgeladenen Bildwelt gegenübersteht. Da ist Yvette Kießling, die aus der klassischen Landschaftsmalerei atmosphärische Erinnerungsräume entwickelt hat. Christian Hellmich verwandelt zeichnerische Konstruktionen in geheimnisvolle Bildräume zwischen Architektur und Traum. Und Beate Höing hat den Weg von der Malerei zur keramischen Skulptur gefunden und gehört heute zu den markantesten Positionen der Ausstellung.
Die Schau erzählt deshalb nicht nur von künstlerischer Entwicklung. Sie erzählt auch von der Kunst des Begleitens. Von einer Galeristin, die ihre Künstler über Jahre kennt, ihre Zweifel, ihre Wendepunkte und ihre Erfolge miterlebt. Viele Besucher werden überrascht sein, wie unterschiedlich sich einzelne Positionen entwickelt haben. Ebenso erstaunlich ist jedoch, wie konsequent manche Handschriften über zwanzig Jahre hinweg gereift sind.
Dass die Galerie heute zu den festen Größen der Frankfurter Kunstszene gehört, verdankt sich auch Leuenroths Talent, Menschen zusammenzubringen. Als engagiertes Mitglied der „Galerien Frankfurt Mitte“ hat sie die Entwicklung der Fahrgasse zu einem lebendigen Kunstquartier mitgeprägt. Vernissagen, Führungen, Open Sundays und gemeinsame Veranstaltungen ziehen längst Besucher weit über Frankfurt hinaus an.
„TWENTY“ ist deshalb weit mehr als eine Jubiläumsausstellung. Es ist ein Fest der Malerei. Vor allem aber ist es ein Fest der Beziehungen. Denn gute Kunst entsteht selten allein. Und manchmal braucht es jemanden wie Kirsten Leuenroth, damit aus Talent eine künstlerische Laufbahn wird. Nach zwanzig Jahren scheint genau darin ihr größtes Verdienst zu liegen.
Text und Foto von Edda Rössler
Veröffentlicht am 19. Juni 2026 in Frankfurter Neue Presse
