Kunst ins Wohnzimmer gebeamt

Wer kennt das nicht? Man verliebt sich in ein Gemälde oder eine Skulptur, ist sich aber nicht sicher, ob das Format in das eigene Zuhause passt. Natürlich bieten viele Galeristen eine Hängung auf Probe an. Doch das ist aufwendig und so mancher Kunstfan sorgt sich, dass das Werk beim Transport Schaden nimmt.

In unseren technikaffinen Zeiten schafft der findige Galerist Kurt Mühlfeld-Hemprich mit einem digitalen Service Abhilfe. In Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Fotografen und Software-Spezialisten Gerhard Pauly ist es nun möglich, das Werk der Wahl mühelos ins Wohnzimmer zu beamen. „Oftmals ist es nur eine kleine Unsicherheit, und genau die wollen wir nehmen“, so Mühlfeld-Hemprich.

Noch in der Galerie und schon im eigenen Wohnzimmer. (links) Fotograf und Software-Spezialist Gerhard Pauly und der Galerist Kurt Mühlfeld-Hemprich von einem Ölgemälde von Lukas Frese.
Noch in der Galerie und schon im eigenen Wohnzimmer. (links) Fotograf und Software-Spezialist Gerhard Pauly und der Galerist Kurt Mühlfeld-Hemprich von einem Ölgemälde von Lukas Frese.

Bequem und in Pandemiezeiten möglichst kontaktarm soll der Weg der Kunst in das eigene Wohnzimmer sein. Um das zu bewerkstelligen, hat er sich mit Gerhard Pauly eine originelle Lösung ausgedacht. Der Interessent wählt auf der Website der Galerie seine Favoriten aus, informiert den Galeristen und übermittelt ein digitales Foto mit Größenangabe seines favorisierten Hängeplatzes. „Das Foto sollte aus der Augenhöhe heraus aufgenommen sein, der Fußboden und die Decke müssen ebenfalls abgebildet werden“, sagt Pauly. Die Antwort kommt rasch, und schon prangt das Werk maßstabsgetreu über dem Sofa.

Wohnzimmer-Abbildung © Galerie Mühlfeld+Stohrer
Wohnzimmer-Abbildung © Galerie Mühlfeld+Stohrer

Gerhard Pauly, der seit 1985 ein eigenes Fotostudio am Merianplatz betreibt, hat sichtlich Freude an dem Service. „Seit vielen Jahren arbeite ich auch digital und war von der Idee begeistert“, berichtet er. Dabei lässt er es sich nicht nehmen, das digital gehängte Werk liebevoll zu inszenieren. „Oft baue ich noch einen kleinen Schatten mit ein, ansonsten wirkt es ja wie aufgeklebt.“

Mühlfeld-Hemprich erinnert sich an frühere und umständliche Versuche, Kunst mithilfe von Software zu platzieren. So habe schon einmal eine Sammlerin dies selbst mithilfe von Photoshop in die Hand genommen, doch die Größenverhältnisse ignoriert. Das hatte zur Folge, dass sich das Bild monströs vom Boden bis zur Decke ausdehnte. „Das Bild ist zu groß, sagte sie“, erinnert er sich mit einem Lachen. Die anschließende Hängung vor Ort hatte sie dann aber doch vom Werk und seiner perfekten Größe überzeugt.

Obwohl der Service erst seit einigen Tagen angeboten wird, ist die Nachfrage bereits groß. Gerade die Ölgemälde des Künstlers Lukas Frese, die oft Frankfurter Orte zum Thema haben, werden digital in die Haushalte gebeamt. Kurt Mühlfeld-Hemprich und Gerhard Pauly sind davon überzeugt, dass dieser Service auch nach Corona nachgefragt wird.

Weitere Informationen unter
www.galerie-muehlfeld-stohrer.de/künstler/montageservice/

Text und Foto von Edda Rössler, am 18. Mai 2021 veröffentlicht in Frankfurter Neue Presse